
Die Pause ist vorbei. Zwei Kinder kommen rein, eines weint. Du nimmst dir Zeit, um den Streit zu klären. Und dann kommt der Satz, den du schon so oft gehört hast: „Ich hab das doch nicht so gemeint.“ Oder: „Das war doch nur Spaß.“
Für das eine Kind ist damit alles geklärt. Für das Kind, das geweint hat, nicht. In ihm sitzt ein Schmerz, der sich nicht so einfach wegwischen lässt.
Du sprichst mit deinen Kindern über Gefühle. Du legst Wert auf ein achtsames Miteinander. Und trotzdem hast du das Gefühl, dass ihnen nicht bewusst ist, wie viel Macht ihre Worte haben.
Vielleicht hast du die Giraffensprache sogar schon ausprobiert. Ein Arbeitsblatt, eine schöne Stunde, ein Plakat an der Wand. Die Kinder waren begeistert. Und dann?
Eine Kollegin hat mir einige Monate nach der Einführung geschrieben:
„Das Plakat hängt noch, aber sonst ist nicht mehr viel davon übrig. Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt […] Und irgendwie wusste ich nach der Einführung auch nicht so genau, wie es weitergehen soll.“
Ich kenne das so gut. Und das Problem liegt nicht bei ihr. Es liegt daran, wie Material zur Giraffensprache meistens gedacht ist: als Unterrichtsstunde. Als Projekt mit Anfang und Ende.
Die eigentliche Frage ist nicht, wie du die Giraffensprache einführst. Sondern wie sie bleibt.
Ich bin Tatiana und seit fast fünfzehn Jahren Klassenlehrerin. Die Giraffen- und Wolfssprache ist in meiner Klasse kein Thema, das wir einmal behandeln und dann abhaken. Sie ist ein täglicher Begleiter. Und irgendwann passiert etwas, das sich am Anfang kaum jemand vorstellen kann: Die Kinder ertappen sich selbst, wenn sie in die Wolfssprache rutschen. Und sie korrigieren sich. Ohne dass ich etwas sagen muss.
Dahin kommt man nicht mit einem Arbeitsblatt. Dahin kommt man mit einer guten Einführung, mit Wiederholung im Alltag und mit Eltern, die verstehen, was ihre Kinder gerade lernen. Und dann kann sich aus Worten eine neue Haltung entwickeln.
Genau dafür habe ich dieses Material komplett überarbeitet und erweitert.
Warum dieses Material anders ist
Ja, du findest Material zur Giraffensprache auch günstiger. Auf Materialbörsen gibt es Arbeitsblätter für ein paar Euro. Manche sind gut. Viele sind schnell gemacht. Und fast alle hören da auf, wo die eigentliche Arbeit beginnt: nach der ersten Stunde.
Was dann fehlt, bezahlst du mit deiner eigenen Zeit. Du überlegst am Sonntagabend, wie die Stunde ablaufen soll. Du suchst Situationen für Rollenspiele. Du schreibst einen Elternbrief. Und nach ein paar Wochen fragst du dich, wie du das Thema wieder aufgreifen kannst, ohne dass es sich künstlich anfühlt.
Dieses Material nimmt dir genau diese Arbeit ab. Es ist nicht für eine Stunde gedacht, sondern für ein ganzes Schuljahr. Es begleitet dich durch die drei Phasen, in denen die Giraffensprache im Alltag normalerweise verloren geht.
Phase 1: Einführen
In Klasse 1 und 2 geht es noch nicht um die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Es geht darum, den Unterschied zu spüren. Was macht ein Satz mit mir? Und wie kann ich sagen, was mich stört, ohne den anderen zu verletzen? Die Kinder lernen, statt eines Vorwurfs eine Bitte oder einen Wunsch zu formulieren.
Die Einführung dauert drei bis sechs Schulstunden und ist komplett durchgeplant. Du bekommst eine Feinplanung mit detailliertem Stundenablauf, passenden Methoden und dem genauen Materialeinsatz. Dazu ein Poster für deinen Klassenraum und Bildkarten für den Einstieg, 16 Sprechblasen mit Giraffen- und Wolfssätzen, ein differenziertes Zuordnungs-Arbeitsblatt mit Ausschneidebogen, ein differenziertes Arbeitsblatt, auf dem die Kinder eigene Giraffensätze formulieren (mit und ohne Schreiblinien), und 16 Situationskarten für Rollenspiele.
Du musst nichts mehr selbst planen. Du kannst direkt anfangen.



Phase 2: Etablieren
Das ist der Teil, der in fast jedem Material fehlt. Und der Teil, ohne den die Giraffensprache nach ein paar Wochen nur noch ein Plakat ist.
In meinem Freiarbeitsbereich liegen Selbstreflexionskarten, die die Kinder jederzeit selbstständig nehmen dürfen. Nach einem Konflikt, am Ende der Woche oder einfach dann, wenn ein Kind innehalten möchte. Die Reflexion nach einem Konflikt gibt es in drei Versionen, damit du die passende für jedes Kind wählen kannst. Dazu kommen „Meine Gefühle heute“, „Ich bin stolz!“, „Wolfssprache?“ und „Meine Woche“.
Mit den Klassenreflexionskarten schaut ihr gemeinsam, wie es euch als Klasse gerade geht: „Ich fühle mich …“, „Mein Glücksmoment“, „Das war schwierig“, „Giraffen-Momente“ und „Danke, dass …“. Manchmal nehme ich einfach eine mit in den Sitzkreis. Manchmal plane ich mehr Zeit ein, wenn ich spüre, dass die Klasse es braucht.
Ein 16-seitiges E-Book ist dein Leitfaden dafür, wie du die Reflexionen in deinen Alltag einbaust.

Phase 3: Eltern mitnehmen
Wenn Kinder in der Schule eine wertschätzende Sprache lernen, zu Hause aber eine ganz andere gesprochen wird, machen wir es ihnen unnötig schwer. Wenn Eltern dagegen verstehen, was ihr Kind gerade lernt, verstärken sich Schule und Elternhaus gegenseitig. Das Kind erlebt Konsistenz.
Das Elternpaket enthält einen Elternbrief zum Austeilen, die Handreichung „Giraffensprache zu Hause – 8 Tipps für Eltern“, eine fertige Präsentation für den Elternabend und eine Übersicht über häufige Vorbehalte von Eltern mit Lösungsmöglichkeiten. Transparent und ohne erhobenen Zeigefinger.


Der Anfang von etwas Größerem
Für mich ist die Giraffen- und Wolfssprache kein Projekt. Sie ist die Grundlage für soziales Lernen, auf der alles andere aufbaut.
In Klasse 1 und 2 lernen die Kinder, den Unterschied zu hören. In Klasse 3 und 4 kommen die vier Elemente der Gewaltfreien Kommunikation dazu. In Klasse 5 und 6 schlagen die Kinder selbst Situationen vor, die ihr gemeinsam bearbeitet. Das Prinzip bleibt dasselbe, es wächst nur mit.
Wenn deine Schule ein gemeinsames Curriculum für soziales Lernen hat oder aufbauen möchte, ist das hier der Startpunkt. Ein Werkzeug, das ab Klasse 1 da ist. Eine Struktur, auf die Kinder in jedem Konflikt zurückgreifen können. Und eine Grundlage für eure Gesprächs- und Klassenregeln.
Für wen ist dieses Material?
Für dich, wenn du in Klasse 1 oder 2 unterrichtest und dir eine Klassengemeinschaft wünschst, in der Kinder sagen können, was sie stört, ohne zu verletzen. Wenn du kein weiteres Projekt willst, das nach drei Wochen in der Schublade liegt. Und wenn du lieber einmal durchdachtes Material kaufst, als jeden Sonntag selbst nachzubessern.
Nicht für dich, wenn du eine schnelle Lösung für einen akuten Konflikt suchst. Die Giraffensprache ist kein Allheilmittel. Sie ist ein Werkzeug, das Zeit und Wiederholung braucht. Wenn du dranbleibst, verändert sie, wie in deiner Klasse miteinander gesprochen wird.
Giraffen- und Wolfssprache · Klasse 1 und 2
Feinplanung für drei bis sechs Schulstunden. Poster, Bildkarten, Sprechblasen, differenzierte Arbeitsblätter und Situationskarten. Reflexionspaket mit E-Book, Selbst- und Klassenreflexionskarten. Elternpaket mit Elternbrief, Handreichung und Präsentation für den Elternabend.